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Einmal um die Welt…zum WTB

 

Japan: Das Land der aufgehenden Sonne, des Origami und der Kirschblüten. Die Ursprünge vieler Kampfsportarten liegen in dem fernöstlichen Inselstaat. So auch die des Judo: Seine Wurzeln reichen Jahrtausende zurück und der Sport wird in seiner heutigen Form, abgesehen von einigen Veränderungen im Regelwerk, über hundert Jahre ausgeführt.

Dementsprechend ist Judo wahrscheinlich auch sehr beliebt in der japanischen Bevölkerung, wenn nicht sogar Nationalsport. Davon bin ich jedenfalls ausgegangen, bevor sich Ende 2018 ein japanischer Gastschüler bei mir einquartierte. Als ich Shota anbot, mich montags zum Judo zu begleiten, war ich meines Erfolges sicher, da er eigentlich jegliche Aktivitäten dankend annahm. So war auch das Erstaunen groß, als er diesmal recht entschlossen ablehnte.

Seinen Erklärungen zufolge sei Judo bei ihm zu Hause, gerade in seiner Altersgruppe, sehr verpönt. Er ging davon aus, dass es sehr gewalttätig und dementsprechend gefährlich sei. Stattdessen spiele man in Japan sehr viel Baseball, ein Fakt, den Shotas gelegentliche Übungen mit improvisierten Schlägern zwar zu bestätigen schien, den ich aber für ziemlich absurd hielt, und als Übertreibung abtat. Tatsächlich habe ich aber im Nachhinein im Zuge meiner investigativen Recherche in Erfahrung bringen können, dass Baseball nicht nur eine der beliebtesten Sportarten Japans ist, sondern auch die umsatzstärkste. Schaut man sich Shotas Heimatstadt auf Google-Maps von oben an, so kann man zahlreiche braun/beige Flecken erkennen: Alles Baseballfelder. Jede größere Schule besitzt ein eigenes, jedoch bieten anscheinend nur Schulen mit besonderem Schwerpunkt einen Judo-Kurs an.

Weil Shota allerdings aus Japan täglichen Sport gewohnt war, hat er mich dann doch nach ein paar Wochen zum Montagsunterricht begleitet. Wo er in der ersten Stunde noch zaghaft die anderen beobachtete, war er bereits ab der zweiten Sunde voll in Fahrt. Die Übungspartner flogen nur so auf die Matten. Ein Seoi Nage nach dem anderen wurde gelandet und Shota verdiente sich schnell den Titel „Kampfsau“ von Trainer Stefan. Über die Monate war mein Gastschüler wohl öfter beim Training als ich und so war es auch nicht verwunderlich, dass er schon bald als standfester Gegner auftrat, nur der Bodenkampf lag ihm laut eigener Angabe bis zum Schluss nicht. Hätte man ihn gefragt, wäre Shota bestimmt auch bei jedem Wettkampf angetreten, obwohl er, trotz Überschneidungen in der Sprache, den Kampfrichter nicht verstehen dürfte. Mal abgesehen davon, dass er als Weiss-Gurt keine Zulassung erhalten hätte.

Mittlerweile musste Shota aber wieder nach Japan zurück fliegen. Dort wird er sich nun für die „Oberstufe“ seiner Schule qualifizieren müssen, was in Japan eine ziemlich schwere Sache sein kann. Deshalb wird er wohl auch eher selten auf die kleinen Wasserstandsmeldungen antworten können, die wir vom WTB schicken wollen. Ein Erinnerungsfoto hat er jedenfalls schon von uns mitbekommen. Das kann er dann dort seinen Freunden zeigen. Mit ein wenig Glück weckt das womöglich wieder das Interesse von ein paar der jüngeren Japanern und sie verlieren die Scheu vor dem Sport, der in ihrem Land entstanden ist.

Aber natürlich profitiert nicht nur die japanische Seite von diesem Austausch. Sonst würde es keinen „Tausch“ geben. Denn so wie Shota einiges beim und über Judo gelernt hat, so haben wir mindestens genauso viel über Japan, seine Kultur und die Gewohnheiten der Leute dort erfahren dürfen, was wir ein Leben lang nicht vergessen werden. Z.B., dass Japaner, trotz ihrem distanziert höflichen Ruf, gerne an einer Stelle knubbeln. Oder, dass es zum Frühstück nur warme, herzhafte Sachen gibt. Dass auch Erwachsene dort Animes schauen und Mangas lesen. Dass man dort selten ins Kino geht, weil die Filme schnell im Fernseher laufen dürfen oder, dass es unhöflich ist, in Japan nicht zu schmatzen. Und nicht zu vergessen, dass Judo gar nicht so flächendeckend in seinem Heimatland betrieben wird, wenn auch jetzt, mit ein wenig Hilfe, vielleicht ein ganz kleines bisschen mehr.

Judo: Von Japan nach Deutschland und wieder zurück, genau wie Shota.

Artikel von Jannis Fruth (2. von links)

 

 

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